Ein kleines Gedankenexperiment. Trauen Sie sich zu, die folgenden Süchte nach dem Grad der Selbstverschuldung zu sortieren?
- Alkoholismus
- Medikamentenabhängigkeit
- Magersucht
- Spielsucht
- Arbeitssucht
- Fettsucht („Dicke“)
- Kaufsucht
- Co-Abhängigkeit („Helfer-Syndrom“)
- Drogenabhängigkeit
Nehmen Sie sich bitte etwas Zeit und betrachten Sie dann Ihre Liste. Hand aufs Herz: Haben Sie nicht die Süchte gerade nach den Auswirkungen auf das Umfeld sortiert? Es gibt aber – meines Wissens – keine „guten“ (Arbeitssucht, Co-Abhängigkeit) und „schlechten“ Süchte (Drogen-, Alkoholabhängigkeit). Ich hatte meinen erhellenden Moment, als ich in einem offenen AA-Meeting eine magersüchtige und eine sehr korpulente Person traf: Beide machen das genaue Gegenteil des jeweils anderen. Beide leiden aber an derselben Krankheit „Sucht“.
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Deutschlands Elite-Journalisten wollten lustig sein. Grundsätzlich ist ja nichts dagegen einzuwenden – jeder sollte mal versuchen, ob er nicht vielleicht doch das Zeug zum Satiriker hat. Das gefährliche am Thema Ironie ist aber die Tatsache, dass die Zuschauer unter Umständen nicht über die Witze lachen, sondern sich ob der Komik des Vortragenden selbst auf die Schenkel klopfen. Oder sie ärgern sich, weil er (ungewollt?) eine gar nicht so lustige Sache ironisiert.
So geschah es nun zu Berlin kurz vor Weihnachten, als sich die „Alpha“-Frager und -Kommentatoren aus den Redaktionsstuben von Bild, Spiegel, Zeit und Welt als „Anonyme Blogger“ unter Anleitung von Matthias Matussek trafen und das Thema „Sucht“ (ungewollt?) auf den Arm nahmen. Matussek, Diekmann und Co. imitierten als „Anonyme Blogger“ ein Meeting einer 12-Schritte-Gruppe. Es sollte lustig werden (Herr Diekmann ist weder für Frau Merkel noch für Herrn Obama oder den Papst zu sprechen) – heraus kam aber ein Ärgernis, ein gequältes Stück Video von 8:32. Über den schlechten Ton könnte man hinwegschauen, wenn nicht das verdammt ernste Thema Sucht verballhornt wird. Gewisse Grundkenntisse über den Ablauf der Meetings der „Anonymen Alkoholiker“ sind unverkennbar (Woher haben die Herren das Wissen?) – aber so lustig und witzig sind die Meetings in der Regel nicht.
Empfohlen sei den Herrn neben „Alk“ (Simon Borowiak) – die (!) „Basis“-Lektüre zum Thema Alkoholismus – ein Buch von Nan Robertson, Pulitzer-Preisträgerin und langjährige Reporterin der New York Times. Sie hat ausgehend von eigenen Erfahrungen mit den AA ein Porträt der Organisation geschrieben. Gerade Herr Matussek könnte übrigens ja mal fragen, was Jürgen Leinemann von seinem Video hält.
Ich weiß nicht, ob es bei Robertson oder in einem anderen Buch war. Aber wenn ich an AA denke, kann vielleicht eine Szene deutlich machen, worum es geht: Ein Welttreffen der Anonymen Alkoholiker. Auf die Frage eines Unbeteiligten, warum die vielen tausend Menschen so ungemein lustig sind, antwortet ein langjährig Trockener: „Weil wir ohne AA wahrscheinlich längst alle tot wären.“
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Die arbeitgebernahe Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ hat Wissenschaftler der Universität Münster damit beauftragt, erstmals ein sogenanntes „Glücks-BIP“ zu ermitteln, auf gut Deutsch ein Glücks-Bruttoinlandsprodukt. Gerade für Depressive ist das Glück ja immer ein großes Thema, weil sie 1. nicht wissen, was das ist, und 2. sich im Gegenstück (dem schwarzen Loch im Ich) bestens auskennen.
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Auch die Scientology-Organisation nutzt offenbar WordPress: Unter der Adresse religo.ch läuft seit 2004 ein Blog, in dem jetzt ein neuer Artikel der Anhänger des u.a. als Science-Fiction-Autor tätigen Gründers L. Ron Hubbard zum Thema ADHS erschien.
In dem Text bekräftigt der/die anonyme Autor/in, dass der Betreiber der Seite www.adhs-kritik.de Scientologe ist. (Original-Zitat: „Was nicht passt wird passend gemacht, dachte sich Herrn Heinemnn wohl und produzierte in bekannter chaotischer Art auf seiner Website Artikel um Artikel um Herrn Pagel als Scientologe zu outen, etwas was Herrn Pagel schon lange zuvor selbst getan hatte und daher völlig überflüssig war.“) Die Seite religo.ch hat zwar kein Impressum, Inhaber ist laut einer Domainabfrage aber „Dianetik Zürich, Dirk Leinherr, Mission der Scientology Kirche“.
Der Kampf der sogenannten Kirche gegen Psychiatrie und Psychopharmaka ist seit langem bekannt. Pikanterweise hat sich die Organisation die Domain religo.ch gesichert – unter religio.de betreibt schon seit Jahren ein Beobachter eine kritische Webseite zu „Sekten, neue(n) religiöse(n) und ideologische(n) Gemeinschaften und Psychogruppen“. Ausführliche Informationen zu ADHS und Scientology bietet auch der oben bereits genannte Ingo Heinemann.
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